1815. Herrensitz Coppelius.

Alchemisten, Akustiker und Astrologen arbeiten im Auftrag der Herren Coppelius an einem Verfahren, um die akustischen Instrumente Cello, Contrabass und Clarinetti auf unerhörte Lautstärke zu verstärken: Die galvanische Amplifikation! Die Rockgeschichte hat begonnen.

2015. Herrensitz Coppelius. Die Hertzmaschine ist fertiggestellt!

Akustisches Instrumentarium entfaltet sich zu dröhnendem Klanggewitter: Das Cello röhrt, der Bass knarzt, die Klarinetten schneiden sich durch Schlagzeug und Gesang. Gitarristen packen beschämt ihre Verstärker ein. Gaslichtromantiker, Steampunker und Liebhaber von handgemachter Musik - Coppelius sind zurück, lauter denn je!

Jubliläumskonzertfeierlichkeiten zu 200 Jahren galvanischer Amplifikation:

Die Hertzmaschine läuft an, die Herren Coppelius bereisen wieder den Kontinent.

Mit Kraft und Musizierfreude, gänzlich verzichtend auf hinter der Bühne versteckte Grammophone, -ja wirklich, komplett live, ohne Playbacks, ohne Einspieler- dafür mit dem unbändigen Willen, dem hochgeschätzten Auditorium den Vorteil akustischen Instrumentariums vorzuexerzieren. Jedes Konzert von Coppelius ist anders, jedes ist einzigartig, nie weiß man vorher, was geschehen wird. Doch sehen Sie sich vor: Wenn Gehrock und Zylinder fallen, kommt 200 Jahre aufgestaute Hysterie zutage!

Donnerstag, 26. November 2015

KLEIN ZACHES, GENANNT ZINNOBER

Save the dates!! Neues von "Klein Zaches, genannt Zinnober": Wegen der großen Nachfrage gibt es zwei zusätzliche Termine

21. April 2016, 19.30 Uhr und 15. Mai 2016, 18.00 Uhr
Jetzt schon Tickets sichern unter 0209-4097.200

Und hier geht es zu den Coppelius - Facebookveranstaltungen:
https://www.facebook.com/events/895985150450568/

Foto: Pedro Malinowski

Welterste Steampunk-Oper von COPPELIUS und Sebastian Schwab

Die welterste Steampunk-Oper entsteht in Gelsenkirchen!


Der missgestaltete und aus ärmlichen Verhältnissen stammende Klein Zaches gelangt durch den gut gemeinten Zauber einer mitleidvollen Fee zu höchsten Ehren und erhält die Gelegenheit, sein absonderliches Äußeres durch angenehmes Wirken, Güte und Zuvorkommenheit wettzumachen. Die Magie öffnet ihm die Türen in das Haus des Professors Mosch Terpin und seiner wunderschönen Tochter Candida. Doch nicht nur ihnen erscheint der kleine Sonderling in allen Dingen begabt und überaus eloquent, sondern alle sind von ihm verzaubert – bis auf Balthasar, einen Studenten und jungen Dichter, der vor allem die Natur und die schöne Candida liebt. Doch sein Glück gerät durch die Machenschaften von Klein Zaches, auch Zinnober genannt, in Gefahr und nur die Kunst des Magiers Prosper Alpanus kann ihm helfen, Zinnobers dreistes Spiel zu beenden…

Die fantastische Erzählung von E.T.A. Hoffmann zählt zum Humoristischsten und gleichzeitig Tragischsten der Literaturgeschichte: Voll Witz und Ironie persifliert sie gesellschaftliche und politische Gegebenheiten und zeigt gleichzeitig die menschlichen Abgründe eines Ausnahmetalents, das sich als Künstler unverstanden fand und die Fantasielosigkeit der Menschen beklagte.

Zusammen mit der Neuen Philharmonie Westfalen verwandeln die 6 Herren von COPPELIUS auf klassischen Instrumenten mit rockig-opernhaftem Sound gemeinsam mit Publikumsliebling Rüdiger Frank und der engelsgleichen Ulrike Schwab die Bühne im Stile des Steampunk in eine akustische Dampfmaschine. 

Foto: Pedro Malinowski

BESETZUNG

E.T.A. Hoffmann, Klein Zaches Rüdiger Frank
Frl. Rosenschön/ Fee Rosabelverde,
Candida Ulrike Schwab

COPPELIUS

Balthasar Bastille
Fabian Comte Caspar
Liese, Prosper Alpanus Graf Lindorf
Pfarrer, Sbiocca Max Coppella
Mosch Terpin Sissy Voss
Gehilfe von Prosper Alpanus Nobusama

Musikalische Leitung Thomas Rimes
Komposition, Arrangements Comte Caspar, Max Coppella
und Thomas Rimes
Songtexte Comte Caspar, Max Coppella
und Graf Lindorf
Stückfassung und Inszenierung Sebastian Schwab
Bühne und Kostüme Britta Tönne
Licht Sebastian Schwab, Jürgen Rudolph
Sounddesign Jörg Debbert
Dramaturgie Juliane Schunke

Neue Philharmonie Westfalen
TEXT AUS DEM PROGRAMMHEFT
„Sonderbar, aber ziemlich plausibel“
Ein Interview mit Sebastian Schwab zur Uraufführung „Klein Zaches, genannt Zinnober“ nach E.T.A. Hoffmann

Foto: Pedro Malinowski

Wie ist es zu diesem Projekt gekommen? Was war die Grundidee?

Die Berliner Band COPPELIUS, die seit Jahren erfolgreich auf den großen Festivalbühnen Deutschlands unterwegs ist, hatte schon immer den Traum, mal eine Oper zu komponieren und auf der Bühne darzustellen. Schon ihrem Namen nach erkennt man ja die große Affinität zu E.T.A. Hoffmann. Der Generalintendant Michael Schulz lernte die Band kennen, war sofort begeistert und trat dann an mich heran. Er schlug mir vor, diese außergewöhnliche Erzählung von E.T.A. Hoffmann, die erst drei Jahre vor seinem Tod entstanden ist, in eine dramatische Fassung umzuwandeln und als Oper zu inszenieren. Ich kannte die Coppelianer und ihre Musik vorher nicht, aber schon bei unserem ersten Zusammentreffen sprang der Funke über und nun haben wir über zwei Jahre daran gearbeitet.

Wie geht man mit dieser besonderen Konstellation von „Rock trifft Oper“ um?

Es ist das erste Mal, dass ich mit einer Rockband auf einer Theaterbühne zusammenarbeite und wirklich verrückt und total neu ist, dass die Band nicht nur die Musik komponiert hat und die Instrumente spielt, sondern auch noch alle Rollen auf der Bühne eines großen Opernhauses verkörpert, verstärkt durch Rüdiger Frank und Ulrike Schwab. Diese Form des Hin- und Herspringens zwischen Musiker und Figur erfordert eine sehr flexible, leichte Spielweise und zwingt mich als Regisseur immer wieder, fantasievoll zu sein in den Lösungen für die Bühne.
Das war im besten Sinne des Wortes etwas hoffmannesk!

Was interessiert Sie an E.T.A. Hoffmann und seiner Erzählung?

Hoffmann war eine der schillerndsten Figuren der Literaturwelt des 19. Jahrhunderts. Er war extrem erfolgreich als Autor großartiger Erzählungen über das Abseitige der menschlichen Seele und Verfasser von märchenhaften Begebenheiten, die eigenartige Figuren und Handlungen haben, aber in ihrer eigenen Welt unglaublich plausibel erscheinen. „Sonderbar, aber ziemlich plausibel“ war sein Kriterium. Dabei findet sich viel Zeit- und Gesellschaftskritik in ihnen und auch Anklänge an Hoffmanns private Gedanken und Situationen. Ich kannte die Geschichte von Klein Zaches vorher nicht und wollte sie so erzählen, wie sie ist. Mein Grundinteresse dabei war, Hoffmann in seiner Fantasie ernst zu nehmen und seinem Gedanken zu folgen, dass er „Klein Zaches“ als „leicht hingeworfenen Scherz“ bezeichnete und also nicht mit einer Idee begann, sondern einfach in einem fantasievollen Geistesrausch drauf los fabulierte und natürlich Dinge mit eingeflossen sind, die ihn umgetrieben haben. Und so bin ich auch in der Inszenierung vorgegangen. Ich habe versucht so zu inszenieren, wie ich glaube, dass er es geschrieben hat. 

Foto: Pedro Malinowski

Dabei interessierte mich vor allem Hoffmanns Dilemma des eloquenten, erfolgreichen Dichterfürsten, der aber die Seele eines Musikers und Komponisten besaß. Der Ruhm war ihm nur im Schreiben gewährt, seine Musik wurde bis auf seine Oper „Undine“ nur am Rande wahrgenommen. Dabei war sie es doch, die so wichtig war für ihn. Immer selbstzweiflerisch und die Fantasielosigkeit der Menschen beklagend, litt er an einer ewigen Zerrissenheit seiner selbst. Nach seinem Tod war er in Deutschland fast vergessen. Mit dem Aufkommen des Expressionismus und der Psychoanalyse zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Hoffmanns Literatur wiederentdeckt. Ich glaube er hätte an unserer musikalischen Umsetzung seiner Geschichte Spaß gehabt: Beginn und Ende von einem großen klassischen Orchester gestaltet zu hören und dazwischen die Rocksongs der Coppelianer, die die Charaktere der handelnden Figuren in ihrem Witz, ihrer Melancholie oder auch Ironie in Musik und Spiel so gut zu treffen verstehen. Diese Musik macht etwas mit einem.

Wie passen E.T. A. Hoffmann und Steampunk zusammen?

Die Ästhetik des Steampunk passt hervorragend zu E.T. A. Hoffmann und war auch eine Grundidee dafür, ihn im Stück auftreten zu lassen. Ich wollte seinen absoluten Willen, eine Geschichte zu erzählen, zeigen. Daraus entstand die Idee, einen

Dichter, der am Schreibtisch sitzt und eine Geschichte schreibt gleichzusetzen mit einem Tüftler, der an seiner Maschine arbeitet und schraubt. Die ganze Geschichte von „Klein Zaches“ sollte als Maschine mit Dampf und Zahnrädern dargestellt werden und alle handelnden Figuren treten aus ihr hervor. Und Hoffmann selbst war fasziniert von Automaten und Maschinen, die in seinen Geschichten vor allem als dem Leben nachgebildeten Mensch-Maschinen auftreten. Rückwirkend wird er damit auch ein Autor des Steampunk.


Die begleitende Ausstellung „Steampunk – Vorwärts in die Vergangenheit!“ ist im Foyer des Großen Hauses noch bis zum 4. Dezember zu besuchen.

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