1815. Herrensitz Coppelius.

Alchemisten, Akustiker und Astrologen arbeiten im Auftrag der Herren Coppelius an einem Verfahren, um die akustischen Instrumente Cello, Contrabass und Clarinetti auf unerhörte Lautstärke zu verstärken: Die galvanische Amplifikation! Die Rockgeschichte hat begonnen.

2015. Herrensitz Coppelius. Die Hertzmaschine ist fertiggestellt!

Akustisches Instrumentarium entfaltet sich zu dröhnendem Klanggewitter: Das Cello röhrt, der Bass knarzt, die Klarinetten schneiden sich durch Schlagzeug und Gesang. Gitarristen packen beschämt ihre Verstärker ein. Gaslichtromantiker, Steampunker und Liebhaber von handgemachter Musik - Coppelius sind zurück, lauter denn je!

Jubliläumskonzertfeierlichkeiten zu 200 Jahren galvanischer Amplifikation:

Die Hertzmaschine läuft an, die Herren Coppelius bereisen wieder den Kontinent.

Mit Kraft und Musizierfreude, gänzlich verzichtend auf hinter der Bühne versteckte Grammophone, -ja wirklich, komplett live, ohne Playbacks, ohne Einspieler- dafür mit dem unbändigen Willen, dem hochgeschätzten Auditorium den Vorteil akustischen Instrumentariums vorzuexerzieren. Jedes Konzert von Coppelius ist anders, jedes ist einzigartig, nie weiß man vorher, was geschehen wird. Doch sehen Sie sich vor: Wenn Gehrock und Zylinder fallen, kommt 200 Jahre aufgestaute Hysterie zutage!

Samstag, 2. Januar 2016

Eiskalte Nacht mit Herzwärme: Coppelius in Dresden

Was für ein Jahresabschluss! Das letzte Konzert der Kapelle Coppelius im Jahre 2015 in der Reithalle Dresden führte bei der Fanatikerschaft zu wahrlich bedenklichen gesundheitlichen Zuständen. Stimmbänder sind nach drei Tagen immer noch auf Erholungsreise, Waden müssen gewärmt, Taschentücher gereicht und Nackenmassagen verordnet werden. So mancher befindet sich immer noch im sogenannten Weißwurstdelirium - doch wie kam es dazu? Hier ein Abriss über die Geschehnisse!

Die von überall her angereisten Mitglieder der Geheimen coppelianischen Straßenbaugesellschaft trafen sich am 29.12.2015 in Dresden im Hotel Mezcalero und machten sich nach einer kleinen Pause sogleich auf den Weg zum Konzert. Nach einer kurzen Stärkung traf man vor der Halle auf weitere Fanatiker. Die Vorfreude war groß, die Wartezeit war kurz, das Sicherheitspersonal wirklich nennenswert freundlich, die Lokalität eher klein, aber sehr gemütlich. Der Konzertsaal war schnell gefüllt, die Atmosphäre war fast nachweihnachtlich friedlich und um 20 Uhr begann mit leichter Verzögerung das Abendprogramm.

Als Vorgruppe: Morlas Memoria, wohl der erste Auftritt vor größerem Publikum. Trotz technischer Probleme und Aufregung gelang es der Band, durch sichtlichen Spaß am Spiel und durch persönliche Sympathie zu überzeugen. Der opernähnliche Gesang in Kombination mit Rocksound gefiel im Laufe des Auftritts immer besser. Ein guter Auftritt für einen Newcomer, der auch mit johlendem Applaus belohnt wurde - die Band ist einen Lauscher wert!

Es dauerte auch nicht lange, bis Diener Bastille, gefolgt natürlich von den coppelianischen Herrschaften, die Bühne betrat. Es folgte ein insgesamt mitreißendes Konzert mit einigen älteren und auch selten aufgeführten Stücken wie "Zu dir", "Prowler" (das von Iron Maiden vor Jahren neu interpretiert worden war) und "I'd change everything" - die Stücke waren nicht nach möglichst hohem Haarschüttelfaktor gewählt (nach subjektivem Eindruck des Autors), man hatte insgesamt eher den Eindruck eines relativ ruhigen Konzertablaufs.

Rührungstränen waren bei "Sternenstaub" nicht zu vermeiden, doch sobald man sich mit einem Taschentuch geholfen hatte, konnte man sich bei "Locked out" ganz dem Tanze hingeben. Auch etwas Platz war vorhanden, die Nebenleute ebenso in guter Stimmung wie man selbst, perfekter könnte es kaum sein. Mit "Killers" kam ein altbekannter Nackenschmerzenverursacher daher, richtig so - zu diesem Zeitpunkt war die anfangs eher ruhige Stimmung im Publikum gelöst. Die Herrschaften hatten viel Spaß auf der Bühne und boten eine einem Jahresabschluss angemessene Show. Gelegentliche, scheinbar sinnfreie "Weißwurst"-Zwischenrufe sorgten für Verwirrung bei Diener Bastille, bei Le Comte hingegen für vernehmliches Magenknurren.

Highlight des Abends war der Zwischenauftritt von Rüdiger Frank, dem Darsteller von "Klein Zaches, genannt Zinnober", der Hauptrolle bei der "Weltersten Steampunkoper" aus dem Musiktheater in Gelsenkirchen - dieser Mann hat Ausstrahlung! Die Begeisterung über seinen Auftritt äußerte sich durch großen Applaus.


Zu Ehren von Lemmy (Motörhead), der vor Kurzem verschieden war, wurde "1916" gespielt - auch Seifenblasen waren hier zu sehen, und für kurze Zeit war es wieder still, wobei das Auditorium beim anschließenden "Gumbagubanga" natürlich tobte und doppelte Hüpfkreise gebildet wurden. Mitsingen war zudem auch bei "Experiment" angesagt, einem vielgeliebten Stück von neuen Album "Hertzmaschine". "Moor" durfte natürlich auch nicht fehlen und bildete zusammen mit "I get used to it" den gelungenen Konzertabschluss.

Hier sollte aber noch ein Kracher folgen: In der Zugabe nach "Risiko" und "Running Free" gab sich Herr Frank als Dieb des Stücks "Operation" mit der Aufführung von "Komposition" zusammen mit Le Comte Caspar die Ehre, wiederum eine Anspielung auf "Klein Zaches", hervorragend vorgetragen und bestes Stück das Abends, ein wirklich idealer Nachgang für ein wunderbares Konzert!

Hier einige Eindrücke (vielen Dank an Susi Bones). Weitere Bildgalerien werden, sobald vorhanden, nachträglich unter dem Bericht zugefügt.




Das neue Video von "Black is the colour" wurde nach der Vorstellung im Konzertraum auf eine Leinwand projiziert; leider kann hier bisher keine Beschreibung erfolgen, da der Autor abkömmlich war (natürlich freuen wir uns über entsprechende Zuschriften, um dem abzuhelfen). Wie immer gab es regen Zulauf am Souvenirstand mit coppelianischem Fanrepertoire, dieses Mal freundlich betreut von Eva Ende und Kunigunde van Heller.

Innerhalb der Konzerthalle folgte nun musikalische, teils sehr laute (und nach dieser Stimmung etwas unpassende) Untermalung, die einen relativ schnell auf den außenliegenden Platz flüchten ließ. Nun folgte auch endlich Aufklärung der Zwischenrufe: Das Fränkischsächsische Weißwurstkomitee (im Dienst der Geheimen coppelianischen Straßenbau-Gesellschaft) hatte es sich nicht nehmen lassen, nach einem Disput mit Herrn Voss im Sommer diesen Jahres, nach der Konzertveranstaltung eine winterliche Weißwurstverköstigung der Ehren der Kapelle vorzunehmen.

Die Coppelianer samt Fangruppenmitglieder nahmen dieses Angebot aufgrund der schnell gesunkenen Temperaturen sehr gerne an, wobei mancher der Herren anscheinend allein bis zu 4-6 (!) Würste verdrückte. Ein Kilogramm süßer Senf, 20 Brezeln und über 30 Weißwürste waren innerhalb allerkürzester Zeit verspeist, über zehn Liter Glühwein wurden vertrunken, fast ein ganzer Stollen gegessen, ein Lebkuchenpäckchen geleert und handgefertigte Pralinen vernichtet  - die Herren haben wahrlich einen sehr gesegneten Appetit und langten ordentlichst zu! Den Herrschaften das originale Weißwurst-Zuzeln nach bayerischer Tradition beizubringen, erwies sich als etwas schwierig. Das sind Anblicke, die man nicht mehr vergisst! Es gab viel Heiterkeit, Trara und Hollala bis weit nach Mitternacht, vielen Dank für dieses Erlebnis, vielleicht die Grundlage einer Tradition, es war wirklich der beste und herzlichste Jahresabschluss, den es für ein coppelianisches Fanatiker-Jahr geben kann.

Hier gibt es auch eine sehr schöne Bildergalerie von Claudia Helmert, diese findet man hier.
(Bei Facebook unter www.facebook.com/claudia.helmert.fotografie und im Internet unter www.kalle-rock.de)

Auch Fotograf Jörg Fischer hat bei Facebook eine großartige Bildsammlung zu diesem Abend online gestellt.

Und hier ein par unserer eigenen Fotografien zur Erinnerung:







Hiermit bedanken wir uns bei allen Beteiligten, besonders bei allen, die etwas zu der Aktion beigetragen haben und natürlich bei der Kapelle. Die folgenden Tage waren ebenfalls von viel Mumpitz und Freundschaft geprägt und fanden ihren Abschluss in der Silvesterfeier, doch darüber soll an anderer Stelle berichtet werden.

Jetzt heißt es erst einmal: Coppelius ruht!

In diesem Sinne mit den besten Grüßen,




Sheris v. d. K

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