1815. Herrensitz Coppelius.

Alchemisten, Akustiker und Astrologen arbeiten im Auftrag der Herren Coppelius an einem Verfahren, um die akustischen Instrumente Cello, Contrabass und Clarinetti auf unerhörte Lautstärke zu verstärken: Die galvanische Amplifikation! Die Rockgeschichte hat begonnen.

2015. Herrensitz Coppelius. Die Hertzmaschine ist fertiggestellt!

Akustisches Instrumentarium entfaltet sich zu dröhnendem Klanggewitter: Das Cello röhrt, der Bass knarzt, die Klarinetten schneiden sich durch Schlagzeug und Gesang. Gitarristen packen beschämt ihre Verstärker ein. Gaslichtromantiker, Steampunker und Liebhaber von handgemachter Musik - Coppelius sind zurück, lauter denn je!

Jubliläumskonzertfeierlichkeiten zu 200 Jahren galvanischer Amplifikation:

Die Hertzmaschine läuft an, die Herren Coppelius bereisen wieder den Kontinent.

Mit Kraft und Musizierfreude, gänzlich verzichtend auf hinter der Bühne versteckte Grammophone, -ja wirklich, komplett live, ohne Playbacks, ohne Einspieler- dafür mit dem unbändigen Willen, dem hochgeschätzten Auditorium den Vorteil akustischen Instrumentariums vorzuexerzieren. Jedes Konzert von Coppelius ist anders, jedes ist einzigartig, nie weiß man vorher, was geschehen wird. Doch sehen Sie sich vor: Wenn Gehrock und Zylinder fallen, kommt 200 Jahre aufgestaute Hysterie zutage!

Donnerstag, 21. Mai 2015

Konzerthäppchen: Coppelius beim Studentenfest in Freiberg 2015

Spontanes Interludium!

Im Städtchen Freiberg zu Sachsen gab es diese Woche  ein dreitägiges Studentenfest, die Freiberger Studententage, und man darf drei Mal raten, wer hier als Special Guest mit von der Partie war: Natürlich die Herrschaften von Coppelius, die auch schon bei der Veranstaltung „Rock um zu helfen“ mehrmals in dieser Ortschaft aufgetreten waren, so auch heute, unter der Woche – an einem Mittwoch!

Welch uncoppelianische Zeit für einen Tanzabend, aber davon ließ sich ja die werthe Fanatikerschaft nicht stören, und reiste trotz nachtäglicher Galeerenpflicht höchst jubelbereit aus allen Richtungen an. Einige ließen es sich schon Stunden vor dem Auftritt kulinarisch gut ergehen, während andere noch in Fahrgemeinschaften kuddelmuddelten, aber schlussendlich fand man sich auf dem eingezäunten Mini-Festivalgelände mit überraschend großer Bühne und bereits angefüllt mit gut gelaunten Leuten, zusammen. Das musste erst einmal geziemend besoff… - wir meinen, begossen werden … Sofortige Entdeckung: Kirschlikör zu Schleuderpreisen! Famos!


Im Vorprogramm: Yellow Umbrella, die mit einer Mischung aus Ska und Reggae für eine sehr gelöste und wirklich äußerst angenehme Stimmung sorgten, die den ganzen Abend anhalten sollte. Das Wetter – kühl mit ein paar Regentropfen, aber was machte das schon! Von Ferne erblickte man sogar schon Seifenblasen, das erfreute das Brigadistenherz natürlich in höchstem Maße. Sogleich wurde der coppelianische Marketenderstand aufgesucht und - oh Schreck! - eine fanatisch gebackene Eierschecke sorgte schon vor Konzertbeginn für hohes Aufsehen! 

Tumultartige Zustände – der Mopp war wegen des Kuchens in Aufruhr, hatte man doch lange nichts gegessen …  Kapellenmitglied Le Comte Caspar warf sich überraschend wie aus dem Nichts zwischen die hungrigen Mäuler und entschwand eilends mit der Eierschecke außer Sicht - was mit dem Kuchen dann passierte, tja – das wird allen klar sein, natürlich wurde er wohltätigen Zwecken zuge- ach, das glauben Sie doch selbst nicht.



Wie dem auch sei – zum Auftrittsbeginn der Kapelle war die flüchtige Eierschecke nicht mehr aufzufinden gewesen, aber das war auch nicht nötig, denn man hatte jetzt selbstredend anderes zu tun! Stimmung: grandios! Der Anfang: Ein anderes Intro, man höre und staune, eine sehr eigenwillige Interpretation der Königin der Nacht – aber, man findet, horrido! Es passt. – Und nun, Schlag auf Schlag, wie es die coppelianische Eigenart nun einmal ist, platzen die Herren Coppelii auf die Bühne – hier konnte es noch so kalt sein, die Menge wogte von Tanz und Haareschütteln, da konnte einem nur warm werden!



Sehr bemerkenswert dieses Mal nicht nur die bekannten Kracher wie „Luftschiffharpunist“, „Moor“, „Killers“ und „Schöne Augen“, vor allem die ruhigeren Stücke fielen diesmal auf. Danke für „Surely“! Diener Bastille übertraf sich selbst mit sehr emotionalem Gesang bei „Himmelstaue“, und der „Sternenstaub“ setzte dem noch die Krone auf, wundervoll vorgetragen, mit sehr intensivem Klavierspiel im Hintergrund, die Fanatiker im Finsteren vor der erleuchteten Bühne in leichtem Regen, eine Seifenblase hier und da – es gibt Momente, die man nicht vergessen möchte, und das ganze Konzert der Kapelle an diesem Abend gehört dazu. Man verliert doch immer wieder sein Herz an diese Musiker, ob man will, oder nicht. Da hilft auch kein Arbeitsdienst, Sie verzeihen.



Vielen Dank hierfür, auch für ein wahrlich halsbrecherisches und seelenerschütterndes „Habgier“ am Ende, das einem wie ein Blitzgewitter entgegengeschleudert wurde, dem Schreiber tut heute der Nacken weh, aber wen interessiert das. Lindorf aufbrausend am Cello, Le Comte Caspar donnernd am Mikrofon - genau so muss das sein!!

Es wurde ordentlichst haargeworfen und auch wild getanzt, ab und an wurde einem sogar ein junger Herr vor die Füße geworfen, alles in allem also ein perfekt gelungenes Konzert! Auch Bastilles Dienerhandschuhe wechselten während des Konzerts vor Begeisterung spontan ihren Besitzer. 

Die Tonqualität war nicht optimal, die Klarinetten gingen teils etwas unter, aber, wie Herr Voss schon sagt „Wer braucht schon Klarinetten?!“ –  Leider war etwas betrüblich, dass das Konzert von einem nebenständigen Wummerfeierzelt störend zwischenbeschallt wurde, das hätte nicht sein müssen. Aber: Was diese Kapelle ausmacht, ist ihr Herz beim Spiel, und dieses war am gestrigen Tage so lebendig und motiviert, es war einfach ein Fest!


Der Abend klang noch sehr schön am Marketenderstand aus – hier ein kleiner Hinweis, erwerbet coppelianische Traum-Kissen, sie sind wirklich sehr weich und dienen gut als gefahrloses Wurfobjekt, wie unlängst entdeckt wurde – und viel zu früh musste man sich wieder voneinander trennen. Leider musste das angedachte Ballspiel zwischen Fanatikern und Kappelle am Ende entfallen, denn die aufblasbare Volleyball-Spielfläche, die anfangs noch zur Freude aller auf dem Gelände gestanden hatte, hatte sich nach dem Auftritt der Herrschaften auf geheimnisvolle Weise in Luft aufgelöst – man nimmt an, dass sie unvermutet ein Stück der flüchtigen Eierschecke aufgriff und nach Verzehr einfach geplatzt ist. Schade!

Ein wundervoller Abend beim Studentenfest in Freiberg ging leider zu früh zu Ende – aber … wie sagt man so schön, nach dem Konzert ist vor dem Konzert, und wir freuen uns auf’s nächste Mal!

Und vergessen Sie nicht: Mieder mit dem N!



Bericht: Sheris vdK
Bilder: Susi Bones / SvdK


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