1815. Herrensitz Coppelius.

Alchemisten, Akustiker und Astrologen arbeiten im Auftrag der Herren Coppelius an einem Verfahren, um die akustischen Instrumente Cello, Contrabass und Clarinetti auf unerhörte Lautstärke zu verstärken: Die galvanische Amplifikation! Die Rockgeschichte hat begonnen.

2015. Herrensitz Coppelius. Die Hertzmaschine ist fertiggestellt!

Akustisches Instrumentarium entfaltet sich zu dröhnendem Klanggewitter: Das Cello röhrt, der Bass knarzt, die Klarinetten schneiden sich durch Schlagzeug und Gesang. Gitarristen packen beschämt ihre Verstärker ein. Gaslichtromantiker, Steampunker und Liebhaber von handgemachter Musik - Coppelius sind zurück, lauter denn je!

Jubliläumskonzertfeierlichkeiten zu 200 Jahren galvanischer Amplifikation:

Die Hertzmaschine läuft an, die Herren Coppelius bereisen wieder den Kontinent.

Mit Kraft und Musizierfreude, gänzlich verzichtend auf hinter der Bühne versteckte Grammophone, -ja wirklich, komplett live, ohne Playbacks, ohne Einspieler- dafür mit dem unbändigen Willen, dem hochgeschätzten Auditorium den Vorteil akustischen Instrumentariums vorzuexerzieren. Jedes Konzert von Coppelius ist anders, jedes ist einzigartig, nie weiß man vorher, was geschehen wird. Doch sehen Sie sich vor: Wenn Gehrock und Zylinder fallen, kommt 200 Jahre aufgestaute Hysterie zutage!

Sonntag, 25. September 2016

Zweifellos famos! Coppelius im Backstage München 23.9.2016

Jetzt hat sie also begonnen, die coppelianische Bühnenabstinenz Ankündigungskonzertreise 2016. Die vorerst letzte Clubbühnentour der Kapelle Coppelius startete mit einem bombastischen Konzertabend am Donnerstag, den 22.9. in Leipzig. Unzweifelhaften Quellen nach war es schon hier im Werk 2 anscheinend sehr hoch her gegangen, und am darauffolgenden Tag sollte die Kapelle also auch in München ihr letztes Bühnenkonzert im "Backstage" geben. Zahlreich war die Fangemeinde erschienen, um dies noch einmal miterleben zu können - und wurde mit einem grandiosen Abend für Ohr, Auge und Herz mehr als reich belohnt.

Wild geschwenkte Hüte im Backstage anlässlich des Coppelius-Konzerts.

(Hinweis: Die Unschärfe der Bilder spricht nur für die fortwährend mitreißende Stimmung im Zuschauerraum :) Bessere Bilder können gerne zugesandt werden.)

Im Vorprogramm: Herr Christian von Aster, seines Zeichens gewandter Wortjongleur und Schriftsteller, las aus seinen bisher veröffentlichten Werken wie den "Mitternachtsraben" und weiteren Geschichten. Sehr zur Belustigung des feierwilligen Publikums gab er neue "Viecher-Verse" zum besten; dieses wurde lautstark bejohlt und bejubelt, der 20-minütige und sehr amüsante Auftritt endete mit donnerndem Applaus.

(Weitere unterhaltsame Dichtkunst von Herrn von Aster gibt es hier: www.vonaster.de)

Christian von Aster

Im Anschluss betrat die Folk-Band "Fuchsteufelswild" die Bühne; hier verstand man es, das bereits ungeduldig wartende Auditorium mit Dudelsack, Bass und einem umgebauten Tuba-Ungetüm in noch bessere Stimmung zu versetzen. Die Gruppe spielte relativ kurz, wurde aber auch nicht ohne Zugabe entlassen, die auch gerne gegeben wurde. Das Urteil: Hörenswert!

Vorkapelle: Fuchsteufelswild.

Zur kleinen Stärkung zwischendurch gab es butterweiche Handtaschenschokolade - das hatte man nach diesem Vorprogramm auch nötig. Und nun endlich Auftritt von Coppelius! Ich nehme mir an dieser Stelle heraus, nicht jedes aufgeführte Stück in der passenden Reihenfolge einzeln abzuhandeln, sondern einfach den überschäumenden Feierwillen des Münchener Publikums und die Höhepunkte des Abends kurz zu schildern.

Schokolade macht stark.

Nach längerer persönlicher Bühnenabstinenz war es für mich ein Fest, diese Band wieder einmal live zu sehen, und auch bei den Herrschaften hatte man das Gefühl, dass der Auftritt insgesamt Spaß machte. Gestartet wurde mit rhythmischen Dampfhämmern wie "Phantom of the Opera" und dem vielgeliebten "Habgier", das den Fanatikern gleich den Schweiß auf die Stirn trieb - richtig so, das hatte man von einem letzten Bühnenkonzert auch erwartet!

Wild ging es weiter - die Kapelle begeisterte in der ersten Konzerthälfte mit reißerischen Stücken, die einem glatt die Luft wegnahmen, um dann später mit einem sehr einfühlsamen "1916" wieder ein wenig zur Ruhe zu kommen. Voller Stolz kann man berichten, dass - ohne vorherigen Aufruf - einige Mitglieder der "Blubber Brigade" eifrig während des Konzerts immer ein mal wieder Seifenblasenpusterei betrieben. Ein wahrlich schönes Erlebnis, das einmal wieder zu sehen.

Graf Lindorf spielt "1916"

Sehr gelungen war auch die neue optische Umsetzung von "Bitten, danken, petitieren" mit einem vorne stehenden Podest, vorgetragen von Bastille und Graf Lindorf, der während des Konzertabends erfreulicherweise öfter im vorderen Teil der Bühne zu sehen war. Eine Innovation auf dem Instrumentenmarkt hatte auch Le Comte Caspar zu bieten - auf seinem sog. "Quercello", einer Mischung aus Käsespießen, vermeintlicher Spanplatte und E-Gitarre, begleitete er die Kapelle für ein Stück. Hier auch erwähnenswert, das die mit dem Erscheinen des Albums "Hertzmaschine" abgelegten, liebgewonnenen grauen Mäntel der Herrschaften an einigen Stellen wieder zum Tragen kamen - man fühlte sich oft an alte Konzerterlebnisse erinnert.

Graf Lindorf und Bastille im Duett

Le Comte Caspar und sein neues Instrument

Le Comte Caspar ließ es sich auch nicht nehmen, einen klarinettistischen Publikumslauf zu unternehmen, welches mit viel Begeisterung von den Fanatikern gesehen wurde. Allgemein war die Stimmung im Publikum sehr ausgelassen, die Münchener verstehen es, teils in ohrenbetäubender Lautstärke zu brüllen und ungehemmt zu feiern.

Gut in Erinnerung blieb auch "Sternenstaub", lange nicht gehört und immer noch sehr ergreifend, auch die lautesten Brüller waren hier geneigt, einmal Ruhe zu halten. "Locked Out" und "To my creator" hingegen lieferte wieder etwas für die Tanzwilligen, und "Moor" endete in einem fröhlichen Schunkeln und Hüpfen. Feine Damen prügelten sich im Zuschauerraum um den "Reichtum", Max Coppella lieferte sich wahre Tonleiternschlachten mit Le Comte Caspar und einige Fanatiker hatten auch die Ehre, zusammen mit Diener Bastille wild die Haare zu schütteln - Eskalation pur auf der Bühne!

Fanatiker auf der Bühne - die Haare flogen

Schön zu sehen: Altes Bühnenoutfit

Insgesamt war ein guter Querschnitt aus dem inzwischen umfangreichen Musikrepertoire der Kapelle geboten; auch ältere Stücke wie "Die Glocke" sorgten beim Publikum für Begeisterung. Ein rauschender Konzertabend ging wie im Flug vorbei -  natürlich gab es auch eine vehement geforderte Zugabe - hier waren die Oktoberfest-Gröhlerei ein hilfreicher natürlicher Verstärker. Abschluss des ausgelassenen Konzert-Abends waren "Risiko" und "Ade mein Lieb" - dieses war passend gewählt und teils von einem verstohlenen Augenwischen bei manchem Fanatiker begleitet.

Auch lange nach dem Auftritt gab es noch Gelegenheit, mit den Bandmitgliedern sowie auch Christian von Aster bzw. den Mitgliedern Fuchsteufelswild zu plauschen, Unterschriften zu sammeln und sich ein Souvenir zu erwerben; der Stand wurde wieder freundlich von Eva Ende betreut. Das hier ausliegende "Olimpianische Käseblatt" erfreut sich immer noch großer Beliebtheit, so sah man doch einige Fanatiker darin lesen oder es über dem Kopf schwenkend aus der Halle entführen.



Gedankt sei an dieser Stelle der Kapelle Coppelius für diesen wunderschönen Konzertabend und den Mitgliedern der Geheimen Coppelianischen Straßenbausgesellschaft, die im Notfall immer ein Übernachtungsplätzchen zur Verfügung stellen. Ich bin immer wieder gerührt, wie viel Zusammenhalt und Freude es zu konzertanten Anlässen gibt. 

Dank geht hier vor allem auch den jetzt über 250 Followern unserer Facebook-Seite "Coppeliania", der man gerne einen Besuch abstatten darf. 

Natürlich geht die Tour noch weiter ... wir freuen uns auf ein Wiedersehen! Hier noch ein extra-stimmungswackliges Bild der Besucher aus der fünften Reihe:





Es schrieb: Sheris v. d. Kauernburg

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