1815. Herrensitz Coppelius.

Alchemisten, Akustiker und Astrologen arbeiten im Auftrag der Herren Coppelius an einem Verfahren, um die akustischen Instrumente Cello, Contrabass und Clarinetti auf unerhörte Lautstärke zu verstärken: Die galvanische Amplifikation! Die Rockgeschichte hat begonnen.

2015. Herrensitz Coppelius. Die Hertzmaschine ist fertiggestellt!

Akustisches Instrumentarium entfaltet sich zu dröhnendem Klanggewitter: Das Cello röhrt, der Bass knarzt, die Klarinetten schneiden sich durch Schlagzeug und Gesang. Gitarristen packen beschämt ihre Verstärker ein. Gaslichtromantiker, Steampunker und Liebhaber von handgemachter Musik - Coppelius sind zurück, lauter denn je!

Jubliläumskonzertfeierlichkeiten zu 200 Jahren galvanischer Amplifikation:

Die Hertzmaschine läuft an, die Herren Coppelius bereisen wieder den Kontinent.

Mit Kraft und Musizierfreude, gänzlich verzichtend auf hinter der Bühne versteckte Grammophone, -ja wirklich, komplett live, ohne Playbacks, ohne Einspieler- dafür mit dem unbändigen Willen, dem hochgeschätzten Auditorium den Vorteil akustischen Instrumentariums vorzuexerzieren. Jedes Konzert von Coppelius ist anders, jedes ist einzigartig, nie weiß man vorher, was geschehen wird. Doch sehen Sie sich vor: Wenn Gehrock und Zylinder fallen, kommt 200 Jahre aufgestaute Hysterie zutage!

Montag, 29. Juli 2013

Rock Classics @ Château de Beaufort 27.7.2013

Zu allererst: So eine Hitze! Strahlender Sonnenschein, wie man ihn sich schöner eigentlich nicht wünschen kann. Zu Beaufort: ein wahrlich niedliches Städtchen in einem ebenso sonnenbeschienenen Talkessel mit vielen kleinen Gassen und alten Häuschen, Brunnen und dekadenten Etablissements, auch steilen Abhängen und Kopfsteinpflaster. Einfach zum Liebhaben. Am untersten Punkt des Tals überraschte uns Suchenden bei der Ankunft ein wahrer Augenöffner - auf einer Lichtung, traumhaft gelegen, die Burgruine von Beaufort, gleich nebenan mit einem kleinen See, innerhalb von Wald und Wiese. Die Bühne war schon aufgebaut - wir erwischten die Gruppen just in diesem Moment bei der Geräuscheinstellung - natürlich hört man sich dieses in einem kleinen, Efeu-überdachten Biergarten an, ohne weiter zu stören. Natürlich musste auch gleich - zur Feier des Tages - ein KirRoyal getrunken werden; Sekt mit Johannisbeerlikör. Von daher schon einmal alles ... wunderbar!



Die Zeit bis zum Konzert schlug man mit Entspannung und Photographie im wunderhübschen Gelände tot. Die Burg durfte man leider nicht besichtigen. Allgemein schienen die Securities leicht konfus und die Kommunikation bei der Veranstaltungsleitung etwas hektisch, aber es sei verziehen, das spätere Event entschädigte für alles, und man gab sich wirklich - und das meine ich jetzt ernsthaft - Mühe, es allen Gästen recht zu machen; die Bedienungen waren alle überaus freundlich. Es gab allerlei Leckeres an Trinkerei und Bratwurst zum Essen - mehr braucht doch das Herz nicht.

Alsdann: die Tore wurden irgendwann gegen 19.30 Uhr geöffnet! Leider gab es viele leere Sitzplätze und es war nicht so voll an Besuchern, wie sich das der Veranstalter gerne gewünscht hätte. Der Sitzplatzreihen waren nicht viele, man konnte aber mit Stehkarten sehr viel sehen, da ein Stück weiter am Abhang die Straße vorbeiführte und man sich auch gut auf den aufgebauten kleinen Tribünen postieren konnte - fast noch besser als ein Sitzplatz, meiner Meinung nach.



Die erste Band, An Apple A Day - man musste es wahrlich ertragen ... gut, wer es mag, Growl-Metal vom Feinsten - leider nicht mein Geschmack, und es warfen sich auch einige der Besucher etwas skeptische Blicke zu. Jedes Stück klang ziemlich gleich - leider wartete man nur, dass es vorbeiging. Die Stimmung war recht verhalten. Wie würde das noch enden, fragte man sich wohl.



Dies bekamen auch Coppelius zu spüren, als sie die Bühne betraten - die Hälfte der Plätze leer, die Besucher von der Vorband etwas verschreckt - wie sollte man hier Stimmung machen? Doch halt - es gab ja noch uns Weitgereiste! Wir ließen es uns nicht nehmen, gleich von Anfang an zu hüpfen, springen und lauthals mitzukrähen - ausreichend Platz war ja dort hinten endlich einmal vorhanden - fantastisch! Tanzplatz, klasse! Bemerkenswert: es gab das alte "Radio"-Intro zu hören. Und wer hätte gedacht, dass Bastille einen Anzug mit kurzen Hosen und Ärmeln besitzt?! Bei diesen Temperaturen wirklich sehr ansehnlich und einfallsreich, grandios - sogar dem Comte zog es bei dieser Hitze die Schuhe aus - bzw, das musste Bastille übernehmen ... barfuß klarinettierte Le Comte das Publikum in Grund und Boden. Allerdings erwies sich dieses stimmungstechnisch als äußerst widerspenstig, bis zur direkten Wink-Aufforderung zum Sturm auf den Bastille bzw. den vorderen Publikumsbereich - da lässt man einfach alles stehen und liegen! Ab nach vorne! Leider zum Leidwesen der Sitzkarteninhaber in der ersten Reihe, aber der Sitztrend war zu unserer Freude blitzschnell abgeschafft und wurde bis zum Konzertende auch nicht wieder eingeführt. Eric Fish von Subway to Sally gab sich sie Ehre bei "Maria" - sehr sehenswert. Ab diesem Moment des Stürmens war auch im Publikum die Stimmung eindeutig besser; Coppelius schafften es wirklich, den Beaufort'schen Knoten zu lösen, und sorgten für tumultartige Jubelausbrüche. Ein sehr schöner Auftritt, zudem noch wahrlich blendend ergänzt von dem märchenhaften Ambiente und den atemberaubenden Lichtspielen im Hintergrund auf der Burgruine, das lohnte die lange Anfahrt wirklich! Eines sei hier noch angemerkt: Sollte ich mir jemals beim Haareschütteln das Genick brechen, wünschte ich, es passierte bei "Habgier". Einer meiner beiden Favoriten an diesem Abend, der andere sollte später folgen.

Auf der Bühne spielten hernach noch Subway to Sally, die natürlich nicht Herzkapelle sind, aber dennoch einen ebenso guten Auftritt - dazu noch in der Dunkelheit, die die Lichtspiele an der Burgmauer noch betonte, ablieferten. Grandios am Ende war der Auftritt von Bastille beim erneuten "Maria" - wundervoll dargeboten, sehr gefühlvoll und ein würdiger Abschluss des Konzertabends! Während STS kamen auch Sturmböen auf - am Ende nach den Konzerten sogar Regen, den ich aber nach der Tageshitze als äußerst angenehm empfand. Das war das i-Tüpfelchen, sozusagen, die Dusche danach. *g



Man traf einen Teil der Herrschaften auch am Verkaufsstand wieder, wo auch das liebe Fräulein Talermark uns erwartete. Le Comte freute sich über den Kapitänshut der Blubberbrigade, der ihm offiziell verliehen wurde (herzlichen Dank hierfür auch noch einmal an Marion Eisenblätter, Nähdame vom Dienst) und Herr Max über die praktische "Key Keeper"-Mütze, die es ihm mithilfe einer Notfallklingel und einem Geheimfach für Schlüssel erlaubt, wieder ins Haus zu kommen, falls er sich wieder einmal aussperrt. Die Freude war wirklich groß, es wurde viel gelacht und es gab viel Zeit und Raum für Unterhaltungen.

Fazit: Eines der besten Konzerte, auch akustisch dank der guten Lage im Talkessel, die ich miterleben durfte. Auch der Veranstalter war sehr um uns bemüht, das erlebte man wirklich bis jetzt eher selten. Jederzeit gerne, gerne wieder!


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