1815. Herrensitz Coppelius.

Alchemisten, Akustiker und Astrologen arbeiten im Auftrag der Herren Coppelius an einem Verfahren, um die akustischen Instrumente Cello, Contrabass und Clarinetti auf unerhörte Lautstärke zu verstärken: Die galvanische Amplifikation! Die Rockgeschichte hat begonnen.

2015. Herrensitz Coppelius. Die Hertzmaschine ist fertiggestellt!

Akustisches Instrumentarium entfaltet sich zu dröhnendem Klanggewitter: Das Cello röhrt, der Bass knarzt, die Klarinetten schneiden sich durch Schlagzeug und Gesang. Gitarristen packen beschämt ihre Verstärker ein. Gaslichtromantiker, Steampunker und Liebhaber von handgemachter Musik - Coppelius sind zurück, lauter denn je!

Jubliläumskonzertfeierlichkeiten zu 200 Jahren galvanischer Amplifikation:

Die Hertzmaschine läuft an, die Herren Coppelius bereisen wieder den Kontinent.

Mit Kraft und Musizierfreude, gänzlich verzichtend auf hinter der Bühne versteckte Grammophone, -ja wirklich, komplett live, ohne Playbacks, ohne Einspieler- dafür mit dem unbändigen Willen, dem hochgeschätzten Auditorium den Vorteil akustischen Instrumentariums vorzuexerzieren. Jedes Konzert von Coppelius ist anders, jedes ist einzigartig, nie weiß man vorher, was geschehen wird. Doch sehen Sie sich vor: Wenn Gehrock und Zylinder fallen, kommt 200 Jahre aufgestaute Hysterie zutage!

Donnerstag, 23. Januar 2014

Coppelianische Wintergeschichte


Es ist Winter im Herrenhaus. Draußen herrschen so eisige Temperaturen, dass sogar Nobusama Zehensocken unter seinen FlipFlops trägt. Bastille kümmert das Wetter nicht, er ist wie immer mit der Hausarbeit beschäftigt. Einzig die Tatsache, dass nun sämtliche Herren im Herrensitz verweilen und allein durch ihre Anwesenheit für ein gewisses Grundchaos sorgen stört ihn ein wenig. Er kennt das alles schon seit so vielen Jahren, es wundert ihn schon lange nicht mehr, wenn ihm Herr Voss plötzlich mit Lilafarbenen Haaren im Flur entgegenkommt. Vermutlich hat er mal wieder im Bad das Shampoo verwechselt und aus Versehen die „Spezialmischung“ von Herrn Coppella erwischt.
Herr Coppella bewohnt einen Flügel im oberen Stockwerk des Hauses, mit Aufgang zur Dachterrasse. Zum einen weil er zuweilen die Aussicht dort oben genießt, zum anderen wegen seines „Hobbys“.
Da bei seinen chemischen Experimenten gern mal etwas schief geht (natürlich alles vorher genaustens berechnete und absolut gewollte Reaktionen) ist es ratsam mehr als ein Fenster zum Lüften öffnen zu können.

Den Grafen Lindorf findet man dagegen eher im unteren Stockwerk des Hauses, in der Nähe des Weinkellers. Was den Weinkeller angeht sind alle Bewohner des Hauses sehr dankbar, das Wände nicht reden können. Bilder vom Grafen, der mit seinem Cellobogen in einem Glas mit Bohle herumstochert um an die Stückchen heranzukommen ziehen an Bastilles geistigem Auge vorbei. Selbstverständlich war es für einen Butler wie ihn kein Problem den Bogen am nächsten Tag von sämtlichen Bohleresten zu befreien aber wie heißt es so schön? „Übung macht den Meister?“

Und dann ist da noch Le Comte Caspar. Erst neulich hat er mal wieder das ganze Herrenhaus in Aufruhr versetzt. Kommt mit wehendem Mantel in den Speisesaal gestürzt und berichtet dann aufgebracht „...so eine Unverschämtheit, ich dulde so etwas nicht, das ist Unerhört! …“ Offensichtlich waren ihm sämtliche linken Schuhe aus seinem Schrank entwendet worden. „Wie sieht das denn aus wenn ich nur noch mit rechten Schuhen auf die Straße ….“ Herr Coppella meint dazu ruhig: „Es wird zumindest niemand behaupten können Sie hätten zwei linke Füße.“ Wutentbrannt verlässt Le Comte den Saal. Neugierig geworden machen sich nun die anderen Herrschaften auf den Weg nach draußen und lachen herzlichst als sie die Spuren im Schnee entdecken.


Le Comte ist außer sich, er ist zum Abendessen mit einer Dame in der Stadt verabredet. Mit diesem Schuhwerk kann er sich doch nirgends blicken lassen. Zu allem Überfluss ist natürlich Sonntag, nicht mal Bastille kann in so kurzer Zeit ein neues Paar Schuhe auftreiben, wo doch sämtliche Geschäfte geschlossen sind. Missmutig bittet er Bastille seine Verabredung für ihn abzusagen. Den Rest des Tages hört man abwechselnd mal düstere mal melancholische Töne durch das Haus ziehen was die fröhliche Stimmung der Herrschaften schnell schwinden lässt. Gegen Abend klopft es an Le Comtes Zimmertür, Bastille hält ihm ein paar Schlittschuhe hin und meint er müsse zu seiner Verabredung. Le Comte blickt verständnislos drein und nimmt die Schuhe entgegen worauf Bastille wortlos verschwindet. "Was ist mit der Kutsche" ruft er noch, doch da ist Bastille schon weg. Verwirrt blickt er aus dem Fenster zur Straße hin – und lacht! Ja so kommt er doch noch zu seiner Verabredung: 

Klick zum Video: Eislaufen auf der Straße

Des Rätsels Lösung um die verschwunden Schuhe entdeckt Bastille eine Weile später:


Die neue Haushaltshilfe wusste wohl einfach nichts mit der Anzahl der Schuhe anzufangen. Warum soll man von jedem Schuh zwei Stück haben? Entweder Acht gleiche oder eben verschiedene.... oder gar keine, wer braucht schon Schuhe?


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Wie es zu diesem Erlebnis kam lesen Sie bei Die Teegesellschaft


Eva Ende Sie glauben gar nicht, wie seltsam die Bedienung im Restaurant drein blickte, als der Herr (20 Minuten zu spät wohlgemerkt!), in halsbrecherischem Tempo mit seltsamen Kufenschuhen an den Füßen durch das Fenster brach!
Aber als sie erkannten, dass es sich um den Comte Caspar handelte, kam NATÜRLICH sofort der Besitzer des Restaurants herbei geeilt und entschuldigte sich für das nicht bruchsichere Glas mit einem edlen Tropfen Portwein und versicherte, die Rechnung würde selbstverständlich auf's Hause gehen.


Caspar Coppelius Hochgeschätztes Fräulein Eva Ende,
es war mir eine Freude, Sie ausführen zu dürfen!
Tragen Sie mir nicht nach, daß ich zu spät kam,
an der Bekufung meiner Schuhe erkannten Sie doch die Eile, mit der ich dem Rendezvous entgegenstürzte!
Doch wenn man einer Dame eine Eisblume pflücken möchte, so muß man - wie ja doch einjeder weiß - bis zur Dunkelheit warten, denn nur in der Nacht blühen sie, diese zarten und vergänglichen und doch wunderschönen Eisblumen!
Nun muss ich aber enden, denn der Portwein fordert seinen Tribut, und im Kopfkarussell lässt es sich schlecht schreiben!
Küß die Hand, meine Dame! Stehts zu Diensten!
Le Comte Caspar

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