1815. Herrensitz Coppelius.

Alchemisten, Akustiker und Astrologen arbeiten im Auftrag der Herren Coppelius an einem Verfahren, um die akustischen Instrumente Cello, Contrabass und Clarinetti auf unerhörte Lautstärke zu verstärken: Die galvanische Amplifikation! Die Rockgeschichte hat begonnen.

2015. Herrensitz Coppelius. Die Hertzmaschine ist fertiggestellt!

Akustisches Instrumentarium entfaltet sich zu dröhnendem Klanggewitter: Das Cello röhrt, der Bass knarzt, die Klarinetten schneiden sich durch Schlagzeug und Gesang. Gitarristen packen beschämt ihre Verstärker ein. Gaslichtromantiker, Steampunker und Liebhaber von handgemachter Musik - Coppelius sind zurück, lauter denn je!

Jubliläumskonzertfeierlichkeiten zu 200 Jahren galvanischer Amplifikation:

Die Hertzmaschine läuft an, die Herren Coppelius bereisen wieder den Kontinent.

Mit Kraft und Musizierfreude, gänzlich verzichtend auf hinter der Bühne versteckte Grammophone, -ja wirklich, komplett live, ohne Playbacks, ohne Einspieler- dafür mit dem unbändigen Willen, dem hochgeschätzten Auditorium den Vorteil akustischen Instrumentariums vorzuexerzieren. Jedes Konzert von Coppelius ist anders, jedes ist einzigartig, nie weiß man vorher, was geschehen wird. Doch sehen Sie sich vor: Wenn Gehrock und Zylinder fallen, kommt 200 Jahre aufgestaute Hysterie zutage!

Donnerstag, 20. Februar 2014

Das Butterblumenhaus (für Mosch Terpin)

Wenn Platten schleppt Herr Mosch Terpin
ist‘s bis Frühling nicht lang hin -
was macht er da? Ja, ei der Daus!
Er baut ein Butterblumenhaus!
Jahrelang hat er‘s geplant,
die Blumenzucht, wer hätt‘s geahnt -
und siehe da, mit Fleiß und Kraft
wird Material herangeschafft.

Endlich hat er Mut und Holz,
Fenster auch, sein ganzer Stolz.
Zum Öffnen - das muss so auch sein,
gut Luft für Butterblümelein.
Er baut bei Wind, er baut bei Regen,
bei Schnee nicht, der Kälte wegen -
aber endlich, juppheida,
endlich steht das Häuslein da.

Terpin freut sich, grinst verstohlen,
dann geht er sein Blümlein holen,
dieses war ihm lang im Kopf,
denn es wartet schon im Topf.

Er kommt zurück. Doch was ist das?

Ums Butterblumenhäuslein scharen
und liegen sich teils in den Haaren
gewisse Herren, und es geht
darum, was im Häuslein steht.
Denn schneller, als Terpin erträumt
wurde schon alles vollgeräumt,
mit Schaufel, Besen, Heckenscher,
mit Plunder, Krempel und noch mehr.

Herr Voss ihm auf die Schulter klopft:
„Es ist ja ganz schön vollgestopft!
Doch ich freue mich umso mehr,
denn mein Zimmer ist jetzt leer.“
„Aber ich wollt -“ ruft Terpin.
„Schnickschnack“, sagt Le Comte zu ihm.
„Nichts da! Was stehn Sie hier noch?
Der Schnee muss weg, das sehn Sie doch!“

Es nutzt kein Wiederwort, der Pflicht
des Schneeschiebens entgeht er nicht.
Die Herren räumen alles ein,
῾s bleibt kein Platz für Blümelein.
Mosch Terpin ist gar traurig sehr,
schiebt den Schnee lahm vor sich her.
Doch plötzlich fällt ihm etwas ein,
das könnt‘ für ihn die Lösung sein.

Er schippt den Schnee, jetzt froh gestimmt -
der nächste Frühling kommt bestimmt!
Pah, großes Haus, hauptsache eines -
im Grunde reicht doch auch ein Kleines.
Nächstes Jahr baut er sich eins,
sei es auch klein, es wird nur seins.
Ja - drei auf drei Zoll, so soll‘s sein,
das Heim für‘s Butterblümelein!

                                                                                                                 ShvdK

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