1815. Herrensitz Coppelius.

Alchemisten, Akustiker und Astrologen arbeiten im Auftrag der Herren Coppelius an einem Verfahren, um die akustischen Instrumente Cello, Contrabass und Clarinetti auf unerhörte Lautstärke zu verstärken: Die galvanische Amplifikation! Die Rockgeschichte hat begonnen.

2015. Herrensitz Coppelius. Die Hertzmaschine ist fertiggestellt!

Akustisches Instrumentarium entfaltet sich zu dröhnendem Klanggewitter: Das Cello röhrt, der Bass knarzt, die Klarinetten schneiden sich durch Schlagzeug und Gesang. Gitarristen packen beschämt ihre Verstärker ein. Gaslichtromantiker, Steampunker und Liebhaber von handgemachter Musik - Coppelius sind zurück, lauter denn je!

Jubliläumskonzertfeierlichkeiten zu 200 Jahren galvanischer Amplifikation:

Die Hertzmaschine läuft an, die Herren Coppelius bereisen wieder den Kontinent.

Mit Kraft und Musizierfreude, gänzlich verzichtend auf hinter der Bühne versteckte Grammophone, -ja wirklich, komplett live, ohne Playbacks, ohne Einspieler- dafür mit dem unbändigen Willen, dem hochgeschätzten Auditorium den Vorteil akustischen Instrumentariums vorzuexerzieren. Jedes Konzert von Coppelius ist anders, jedes ist einzigartig, nie weiß man vorher, was geschehen wird. Doch sehen Sie sich vor: Wenn Gehrock und Zylinder fallen, kommt 200 Jahre aufgestaute Hysterie zutage!

Donnerstag, 19. März 2015

1. Tourblock - 4 Konzerte - Ein Vergleich


Nachdem Colophonius Regenschein schon einige allgemeine Worte über den Tourauftakt verloren hat, möchte ich mich nun auch zu Wort melden. 

Meine Wenigkeit hatte das Vergnügen, gleich die ersten vier Konzerte in Osnabrück, Bochum, Hamburg und Hannover mit zu erleben und ich möchte dem geneigten Leser meine Eindrücke, besonders im Vergleich, nicht vorenthalten. 

Ich habe alle vier Konzerte mit der Kamera begleitet (die Ergebnisse findet man auf Ruffles and Steam), allerdings mit höchst unterschiedlichen Ausgangssituationen.

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In Osnabrück machte ich es mir auf der Seitentreppe direkt vor der Bühne gemütlich; ein Konzert im Sitzen aus der 1. Reihe  ist durchaus auch einmal eine Erfahrung! (Wobei ich stehend trotzdem vorziehen würde, da ich aber gesundheitlich noch etwas angeschlagen war, war ich sehr froh über diese Möglichkeit.)
Die Vorband „Bodenski“ konnte mich hier noch nicht ganz überzeugen. Eine Vorband sollte für mich ein Anheizer sein und auf das Hauptkonzert vorbereiten. Die Musik von Bodenski ist da meiner Meinung nach zu ruhig für, passt eher in eine Lounge Atmosphäre.

Als es dann endlich losging, war man zunächst geblendet von sehr viel Stroboskop-Licht. Ja, es passt gut zum Schlagzeug des Luftschiffharpunisten, aber eigentlich will man doch sehen, was da abgeht auf der Bühne. Wie von Colophonius bereits angemerkt, wurden dann die neuen Kostüme begutachtet: Fazit: SEHR dunkel, aber schick. Nur der Näherinnen-Hand juckt es, wenn man die nur umkettelten Ränder der Halsbinden sieht, ein Rollsaum wäre schöner und nicht mehr Arbeit gewesen, aber ich schweife ab.
Das Konzert selbst war, wie erwartet, fulminant und die Setlist ein Traum. 

Setlist:

  • Luftschiffharpunist
  • Klein Zaches
  • To my creator
  • Schöne Augen
  • Moor
  • Es fiel ein Himmelstaue
  • Hertzmaschine
  • Charlotte the Harlot
  • Time – Zeit
  • Glaubtet ihr?
  • Sternenstaub
  • Mitten ins Herz
  • Glad to be dead
  • Surely
  • Nothing personal
  • Der Handschuh
    - Da Capo
  • Conentance
  • Killers
  • Riskio
  • Konzert

Besonders über die älteren Songs haben sich so einige Fans gefreut, auch wenn Bastille sie als „olle Kamellen“ ankündigte. Besonders erfreut hat sich das Publikum (auf allen Konzerten) an Sternenstaub. Und auch die Darbietung von "Contenance" war etwas besonderes, werden doch sonst die a-capella Stücke eher nicht so gebracht.

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In Bochum habe ich mir das Geschehen einmal vom Mischpult aus angesehen. Die Luft und das Gedränge in der Matrix sind leider echt nicht schön und wenn man es nicht die Treppen hinunter gesprintet in die erste Reihe schafft, sieht man leider recht wenig. (Zumal der Sound im Gewölbekeller auch eher zu wünschen übrig lässt.) Ich hatte ja auf einen Fotograben gehofft, aber den gibt es immer genau dann nicht, wenn ich eine Fotoakkreditierung habe…

Allerdings konnte ich von hinten erkennen, warum denn da am Anfang so viel Strobo ist: Sieht geil aus! Wenn man eben nicht direkt davor steht. Das Fotografieren habe ich den anwesenden fähigeren Kollegen überlassen, nur zur Zugabe und das Publikumsfoto hat es mich dann wieder nach vorne gezogen. Ich danke meinem Reisetrupp, der mich durch das Gedränge nach vorne bugsierte. 

Sektausschank in Bochum
Bastille verteilte zwischenzeitlich Sekt, wobei die Verteilung wohl etwa 2:1:1 war: 2 für den Butler, einen für den Grafen Lindorf, einen fürs Publikum.
Auch wenn es einige technische Probleme und auch eine ganze Reihe an Verspielern gab (die Matrix scheint das anzuziehen…) war die Stimmung grandios, sodass es hier sogar noch ein zweites Da Capo gab, mit Transylvania und Habgier. 

Da Capo?
Ungewohnter Weise fand das Konzert mal an einem Donnerstag statt, sodass es im Anschluss daran keine Disko gab und der Raum vor dem Merch nicht so gedrängelt war. Leider führte das aber auch dazu, dass die Betreiber die Fans ganz schnell draußen haben wollten, sodass man das Gebäude verlassen musste, ehe die Herren mit Abbau fertig waren.
Schade, wirklich Schade. Die Matrix macht sich immer unbeliebter. Und wenn sie nicht das „Heimspiel“ wäre, würde ich nicht mehr hingehen. Im Pott und Umgebung muss es doch noch andere Locations geben? Habt ihr Vorschläge?

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Ganz anders ging es da am nächsten Tag im Knust in Hamburg zu. Hier hatte ich mir etwas Besonderes vorgenommen, weil es eine Empore gibt, die nur für Fotografen zugänglich ist. (Diesmal also Konzert von oben.)
Ich habe mich im „Live-Posting“ versucht. Heißt: Ich habe einige Bilder geschossen, vor Ort bearbeitet und direkt (mit Beschreibung) hochgeladen, sodass die Fans zu Hause das Konzert fast zeitgleich mit den anwesenden Fans genießen konnten. War anstrengend aber definitiv mal eine Erfahrung. (Ich würd’s bei Interesse wieder machen, aber nur mit Unterstützung und besserem WLAN.)
Mein Dank gilt hier den hilfreichen Technikern, die mir Strom für den Schlepptop besorgt haben. 


Wie man im Live-Album sieht, ist in Hamburg eine Menge auf der Bühne passiert. So gaben die Batterien des Tonabnehmers des Cellos mitten im Song auf, sodass Graf Lindorf den Cellopart stattdessen sang. Bei „Schöne Augen“ fanden einige Häkelaugen aus den Reihen der GCSG ihren Weg auf die Bühne und bei „Sternenstaub“ bekamen die Herren Unterstützung von Gared Dirge (Lord of the Lost) am Klavier.
Nach dem Konzert wurde noch im Vorraum ausgeharrt und gequatscht, das Publikumsfoto wurde sofort ins Aethernetz geschickt (neuer Zeitrekord!). (Die Publikumsbilder finden sich auf der Coppelius Facebookseite)

Gared Dirge // Lord of the Lost
Für die Herren ging es weiter zur Angel in Bondage Aftershow Party, während sich die Fanatiker bei Erikas Eck den Bauch vollschlugen. 

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Den Abschluss gab es dann am Samstag im MusikZentrum Hannover. Angeblich sollten wohl noch 100 Leute mehr in den Raum passen, ich finde, es war so schon brechend voll und die Luft entsprechend. Später wurde jedoch Gott sei Dank die Lüftung angemacht. 

Bodenski legten wie gewohnt los und die Hälfte der ersten Reihe, die bereits die ersten vier Konzerte mitgemacht hatten, war eifrig mit dabei, sie zu unterstützen: Winken, klatschen, mitsingen, das volle Programm.
Gegen Ende des Vorprogramms begaben sich sogar die Herren höchst selbst ins Getummel vor der Bühne um ihrer Vorband zu gratulieren. Das musste natürlich festgehalten werden. 


Die Kapelle war guter Dinge und die gelöste Stimmung nach dem fast geschafften ersten Tourblock ging auch aufs Publikum über. Es wurde gescherzt, gelacht, das Publikum wurde von Herrn Voss und Bastille mit Wasser versorgt, es wurde über Begrifflichkeiten wie „Langspieler“ vs. „CD“ diskutiert und man hatte allgemein eine gute Zeit. 
Rufe nach Bass- und Cello Soli wurden erfüllt, aber das Konzert war eindeutig sehr Butler-lastig, Bastille trotz gebrochener Kniescheibe in Höchstform.  

Wer sich schon immer gefragt hat, welches Instrument das Solo
im Luftschiffharpunisten spielt: Es ist ein singender Bastille!
So ließ man es sich auch nicht nehmen, auch in Hannover das Publikum mit einem zweiten Da Capo zu beglücken. Das Publikumsfoto wurde diesmal von hinten gemacht und ich danke „Eskala-Mark“ für seine Hilfe (und muss ihm auch ganz allgemein ein Lob aussprechen: Das Licht auf den Konzerten war fürs Knipsen ein wahrer Traum!) 

Auch nach dem Konzert standen fast alle Kapellenmitglieder noch für Autogramme, Gespräche und „Selbsties“ zur Verfügung.


Und auch die Häkelaugen fanden ihren Weg vor die Kamera. 
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Wenn ich mich zwischen den vier Konzerten entscheiden müsste, würde ich eindeutig sagen: Die Stimmung war in Hannover am besten! Locationmäßig machen jedoch die Lagerhalle in Osnabrück (mit Restaurant/Bar im vorderen Bereich) und das Knust in Hamburg (Barbereich mit Sitzgelegenheiten) das Rennen. 

Es hat wirklich Spaß gemacht, die Herren mal wieder vor der Linse zu haben und insbesondere die Publikumsfotos (die ihr auf der Coppelius Facebook Seite findet) sind für mich immer wieder ein Highlight!
Allgemein muss man festhalten, dass das Konzertvergnügen stark mit der Location zusammen hängt (siehe Matrix) und meiner Meinung nach gehört das Nachkonzertgequatsche, -fotografieren etc. eindeutig mit dazu und rundet das erlebte ab. Es ist schade, wenn das wegfällt. 


Ich bin nun auf allen vier Konzerten gewesen und konnte sagen „na gut, dann eben morgen“, aber für den „normalen 1-Abend“-Besucher ist so etwas wirklich doof.
Am Freitag geht es weiter mit der Tonträger-Veröffentlichungstour: Berlin, München, Nürnberg.  Drei Konzerte, drei verschiedene Vorbands. (OperaChaotique, Aeronautica und Carpe Noctem). 


Werden Sie anwesend sein? Wenn ja, welches der drei Konzerte wird es? Oder vielleicht doch alle drei?

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