1815. Herrensitz Coppelius.

Alchemisten, Akustiker und Astrologen arbeiten im Auftrag der Herren Coppelius an einem Verfahren, um die akustischen Instrumente Cello, Contrabass und Clarinetti auf unerhörte Lautstärke zu verstärken: Die galvanische Amplifikation! Die Rockgeschichte hat begonnen.

2015. Herrensitz Coppelius. Die Hertzmaschine ist fertiggestellt!

Akustisches Instrumentarium entfaltet sich zu dröhnendem Klanggewitter: Das Cello röhrt, der Bass knarzt, die Klarinetten schneiden sich durch Schlagzeug und Gesang. Gitarristen packen beschämt ihre Verstärker ein. Gaslichtromantiker, Steampunker und Liebhaber von handgemachter Musik - Coppelius sind zurück, lauter denn je!

Jubliläumskonzertfeierlichkeiten zu 200 Jahren galvanischer Amplifikation:

Die Hertzmaschine läuft an, die Herren Coppelius bereisen wieder den Kontinent.

Mit Kraft und Musizierfreude, gänzlich verzichtend auf hinter der Bühne versteckte Grammophone, -ja wirklich, komplett live, ohne Playbacks, ohne Einspieler- dafür mit dem unbändigen Willen, dem hochgeschätzten Auditorium den Vorteil akustischen Instrumentariums vorzuexerzieren. Jedes Konzert von Coppelius ist anders, jedes ist einzigartig, nie weiß man vorher, was geschehen wird. Doch sehen Sie sich vor: Wenn Gehrock und Zylinder fallen, kommt 200 Jahre aufgestaute Hysterie zutage!

Montag, 30. März 2015

Neue Erkenntnisse zur Maschine des Professors veröffentlicht!

Längst vergessen geglaubte Dokumente aus dem Mumpitz Archiv berichten über die Maschine. Der Name der Maschine lautet Sinus di Tempore. Sie ist seit über 100 Jahren funktionsfähig, hat immer wieder mit galvanischen Fehlfunktionen und Überhitzung zu kämpfen, was auch der Grund ist, dass sie nicht als ungefährlich eingestuft werden kann.


Folgende Dokumente konnten aus den Archiven geborgen werden:

Winter 1889: Sinus war funktionsfähig, überhitzte aufgrund des Laborunglückes jedoch und lief auf ständiger Hochleistung. Um die überschüssige Energie zu verwerten, sprintete er durchs Land und verursachte dabei eine Schneise der Verwüstung. Am Tag des Laborunglückes trafen er und Colophonius Regenschein im nahegelegenen Wald aufeinander und schlossen Freundschaft. Dies war Sinus' inoffizieller Beitritt zur Konfetti Kompanie.

1889 – 1900: Sinus besuchte das Staatliche Gymnasium für Überhitzungsvermeidung in London, nachdem Colophonius ihm dieses dringlichst empfohlen hatte. Die Maschine musste lernen, ihre Kräfte zu zügeln beziehungsweise diese in ausreichendem Maße durch entsprechende Techniken abzubauen. Die industrielle Revolution hatte zur Produktion zahlreicher moderner Maschinen geführt, doch keine kam Sinus in seinen menschlichen Zügen gleich. Sinus verließ das Gymnasium mit einem Abschluss von 4,5 – die Überhitzung zu kontrollieren, gelang ihm selten.

1890: DerProfessor spürte Sinus auf. Er sah es als selbstverständlich an,dass die Maschine ihm ins Labor folgen würde. Dass Sinus sichverweigerte, erboste den Professor so sehr, dass er keinen anderenAusweg sah als seine Kreatur erst zu bedrohen und sie dannanzuflehen; schließlich wusste er um deren Kraft. Seine Versucheblieben fruchtlos, sodass er wieder abreiste und neue Pläneschmiedete, Sinus zurückzuholen.

1899: Bei einer Auseinandersetzung in einem Londoner Salon ging Sinus' Hinterteil in Flammen auf, nachdem ein französischer Adliger ihn beleidigte. Glücklicherweise war Colophonius umgehend zur Stelle; nachdem er sein Gelächter unterdrückt hatte, löschte er den Brand. Es folgten Modifikationen an Sinus' äußerer Verkleidung – der unliebsame Cello-Körper jedoch blieb. Im selben Jahr nahm der Professor erneut Kontakt auf und erfuhr im selben Zuge von dem unbefriedigenden Schulabschluss seiner Schöpfung. Erneut suchte er das Gespräch mit Sinus; dabei redete er ihm ein, zurück ins Labor zu kehren sei für ihn die einzige Möglichkeit, das ungezügelte Temperament jemals unter Kontrolle zu bekommen. Sinus erboste sich darüber so sehr, dass sein Uhrwerk heiß lief und der Professor einer Salve glühender Zahnräder ausweichen musste. Entsetzt von diesem Ereignis gab er die Maschine schließlich auf.

1900: Colophonius und Sinus reisen nach Hamburg. Ein Luftschiffkapitän hatte einen Aufruf über die Ländergrenzen hinaus gesandt, da er eine Crew für seine Flotte brauchte, die sich auf die Jagd nach einem immer größer werdenden Problem machen sollte: die Wolkenkraken. Man heuerte die beiden an, doch verließ die Flotte niemals ihren Hafen; Sinus entfachte versehentlich einen Brand, welcher alle Luftschiffe der Flagge verschlang. Er und Colophonius verloren sich bei der Katastrophe und glaubten, der andere sei ums Leben gekommen.
1975: Nach 5 Jahren auf den New Yorker Straßen bot ihm ein Geschäftsmann aus Ägypten eine Position in seinem Unternehmen an. Sinus reiste mit ihm nach Kairo, wo er sich eine Erneuerung seiner Hardware erhoffte. Diese blieb aus, sodass Sinus immer schlechter funktionierte und sein Ende kommen sah. Als er sich eines Tages zu den Pyramiden begab, um sich dort zur letzten Ruhe zu betten, traf er seinen totgeglaubten Freund Colophonius, der in der ägyptischen Mythologie nach einer Spur des Wolkenkrakenursprungs suchte und Forschungsarbeiten betrieb. Colophonius erkannte das Problem umgehend und verchromte Sinus in einem komplizierten Verfahren, sodass dieser wieder vollkommen funktionsfähig, wenn auch ein wenig veraltet in seiner Mechanik war.
Danach bereisten Colophonius und Sinus gemeinsam die Welt, um Rekruten für die Konfetti Kompanie anzuwerben und neue Technologien für die Konfetti-Kriegsführung zu entwickeln.

Colophonius Regenschein wurde aufgrund der Untersuchungsergebnisse eingehend befragt. Er versicherte uns, dass von Sinus keinerlei Gefahr ausgehe. Eine eher zweifelhafte Aussage, wenn man an die verunglückten Luftschiffe denkt. Wir raten daher jedem, der dieser Maschine begegnet zur Vorsicht.



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