1815. Herrensitz Coppelius.

Alchemisten, Akustiker und Astrologen arbeiten im Auftrag der Herren Coppelius an einem Verfahren, um die akustischen Instrumente Cello, Contrabass und Clarinetti auf unerhörte Lautstärke zu verstärken: Die galvanische Amplifikation! Die Rockgeschichte hat begonnen.

2015. Herrensitz Coppelius. Die Hertzmaschine ist fertiggestellt!

Akustisches Instrumentarium entfaltet sich zu dröhnendem Klanggewitter: Das Cello röhrt, der Bass knarzt, die Klarinetten schneiden sich durch Schlagzeug und Gesang. Gitarristen packen beschämt ihre Verstärker ein. Gaslichtromantiker, Steampunker und Liebhaber von handgemachter Musik - Coppelius sind zurück, lauter denn je!

Jubliläumskonzertfeierlichkeiten zu 200 Jahren galvanischer Amplifikation:

Die Hertzmaschine läuft an, die Herren Coppelius bereisen wieder den Kontinent.

Mit Kraft und Musizierfreude, gänzlich verzichtend auf hinter der Bühne versteckte Grammophone, -ja wirklich, komplett live, ohne Playbacks, ohne Einspieler- dafür mit dem unbändigen Willen, dem hochgeschätzten Auditorium den Vorteil akustischen Instrumentariums vorzuexerzieren. Jedes Konzert von Coppelius ist anders, jedes ist einzigartig, nie weiß man vorher, was geschehen wird. Doch sehen Sie sich vor: Wenn Gehrock und Zylinder fallen, kommt 200 Jahre aufgestaute Hysterie zutage!

Montag, 23. März 2015

Konzertwochenende München/Nürnberg mit Clockwork Cabinet

Es war wieder einmal soweit: Coppelius hatte anlässlich der Veröffentlichung des neuen Albums „Hertzmaschine“ in ganz Deutschland zu konzertanten Abenden gerufen, dieses Mal war die Reihe also an München und Nürnberg, bespielt zu werden. Die Erwartungen waren hoch – und was soll man sagen, sie wurden dieses Mal über die Maßen erfüllt und auch übertroffen! (Bilder werden in Kürze folgen, die Auswahl der richtigen Bilder erfordert ein wenig Zeit, daher leider nur "Ambienteablichtungen")

In der Münchener Lokation „Backstage“ fand man sich am Samstagabend zusammen, um den Klängen, für manchen Fanatiker erstmals, in lebensechter Darbietung zu lauschen – man hatte vorher munkeln hören, die Münchner wären in ihrer Feierwilligkeit eher mürrische Fußtaktwipper, dieses kann der Schreiber dieser Zeilen allerdings nicht bestätigen! Schon bei der Vorgruppe Aeronautica, die einigen bereits bekannt waren und mit ordentlichem Steam-Sound die Bretter schon zum Vorbeben brachten, war die Stimmung unter den Zuschauern so gut, dass schon mitgeklatscht und laut gegröhlt wurde – die aeronautische Musik fand durchaus Anklang und wurde auch ordentlichst, das auch verdientermaßen, bejubelt! Hätte man noch eine Zugabe haben können, wäre dem wohl keiner abgeneigt gewesen, aber Coppelius standen hinter der Bühne schon in den Startlöchern, um die ohnehin schon siedende Stimmung gar zum Überkochen zu bringen.


Eine Konzertaufnahme zu Aeronautica im Backstage.

Es gibt nur ein Wort, das meines Erachtens für das auf dem Fuße folgende coppeliansche Konzert gelten kann: Perfekt. Sofort zu Beginn der absolute Rockeinsteiger mit dem „Luftschiffharpunisten“, der gleich für Begeisterung sorgte. Viel Bewegung im Publikum, viel Spaß auf der Bühne, man merkte gleich, dieses würde ein besonderer Abend werden! Die Setlist mit Krachern wie To my creator“, „Moor“, „Charlotte“ und „Killers“ ließ einem nicht viel Zeit zum Überlegen, wilder Tanz und Sang und Selbstvergessen standen auf dem Programm. Besonders auffällig waren der gute Klang und vor allem auch die sehr gut gelungene Ausleuchtung der Solisten immer im passenden Augenblick – und was waren das für Augenblicke! Die neue Bühneneinrichtung und auch Kleidung der Künstler wirkt harmonisch, elegant und gut aufeinander abgestimmt, großes Kompliment.


Hervorzuheben in der Menge an unmöglich allaufzuzählendem Wundervollem waren Herrn Nobusamas Unendlich-Double-Bass-Solo sowie auch Herrn Voss allgemeines-immer-gut-Bass-Solo, und wenn wir schon dabei sind – die „Herzmaschine“ war mit so viel stimmlicher, tiefer Leidenschaft gesungen, das ging wahrlich sehr in den Seelengrund, so dass man sich unversehens einfach in dieses Stück verlieben musste, wenn man es ohnehin nicht schon gerne mochte. Zum innerlichen Abheben führte auch der von Diener Bastille sehr klar gesungene „Sternenstaub“ und das „Himmelstaue“ – sehr schön performt, tadellos, spitze! Beeindruckend war auch Herrn Coppellas Spielgeschwindigkeit, da knallte das Brett, wie man so schön sagt – und hiermit ein Lob an Herrn Lindorfs Hüpfmanie, wer hätte das gedacht, und das auch noch mit Cello!

Alles in allem: Was für ein Konzert! Lange schon nicht mehr mit so viel Power und auch Spaß am Spiel erlebt, kombiniert mit einem jubelfreudigen Publikum und auch einwandfreier Lokation – da capo, meine Herren, man hätte auch bei der nachfolgenden Musik auch noch bis in alle Ewigkeit tanzen können, was für ein schöner Abend, daran wird man sich lange erinnern! Mein Dank an alle Personen, die diesen Abend geteilt haben.


Am darauf folgenden Tag ging es nun – mit einiger Müdigkeit, aber das interessiert einen wahren Fanatiker ja nun keineswegs – weiter nach Nürnberg, erst einmal in das "Clockwork Cabinet", eine Mini-Steampunk-Convention in einer Villa, zwar sehr klein, aber in exklusivem Räumlichkeiten mit passendem Ambiente, organisiert mit viel Herz im Programm. So gab es zum Beispiel einen wirklichen Türaufhalter und Dienstpersonal in passender Kleidung. An kleinen Ständen konnten Kraken und Schmuck, aber auch kleine Dampfmaschinen ihren Besitzer wechseln. Das Programm war angefüllt mit Highlights wie einem Auftritt von Daniel Malheur, der sehr beeindruckend war, und auch einer Modenschau sowie Dampfvorführung, die mangels Esbitleistung aber weniger gut klappte als errechnet, aber dies tat der Stimmung keinen Abbruch sondern sorgte eher für Belustigung. Einzig die Parkplatz-Situation war desaströs und brachte einem einen 2,5-Kilometer-Spaziergang durch die Nürnberger Straßen, der aber als Bewegungsverschaffung auch nicht zu schlimm war und durch sehr freundliche Bedienung im kleinen Cafe und durch sehr interessierte Besucher wieder gut gemacht wurde. Zu erwähnen ist auch eine Zimmerausstellung von Dampf- und Elektroapparaturen und eine Livezeichnerin vor Ort, die karrikativ die Besucher auf ihren Bildnissen bändigte. Fazit: Gerne wieder, klein, aber fein, es gab viel zu sehen, und ein Nachmittag war gut dort zu verbringen!







Schließlich landete man nach kurzer Nahrungsjagd beim Hirsch Nürnberg, wo nun am Sonntagabend das nächste coppelianische Konzert stattfinden sollte. Es gab einige Mühe bei der Beseitigung der vorgespannten Türkette beim Einlass, aber WD40 hilft bekanntlich gegen alles – kurz nach 20 Uhr öffneten sich die Tore zur altbekannten Nürnberger Konzerthalle, die sich auch recht schnell füllte. Die Zeit bis zum Konzert vertrieb man sich mit Einkaufslust am coppelianischen Marketenderstand, der jetzt bemerkenswerterweise sehr hübschen, individuell handgefertigten Damenschmuck im Sortiment führt, wovon man auch gleich ein Stück erwarb. Vielen Dank an Eva Ende für die Mühen und Ideen, eine wirklich schöne Sache als Ergänzung für das coppelianische Artikelprogramm.




Als Vorband für diesen Abend hatten sich „Carpe Noctem“, eine konzertante Gruppierung aus Jena, angekündigt, die man schon auf der ein oder anderen Videographie hatte sehen können – aber der Liveauftritt war etwas, das wirklich besondere Erwähnung verdient. Ich muss sagen: Sie haben mich einfach umgehauen. Diese junge Nachwuchsband mit Cello, Violine, Bass und Schlagzeug hat es wirklich geschafft, mich vom ersten Ton an zu begeistern! Ohne Umschweife: Leckt mich am Arsch, die haben es drauf! Absolut positive Ausstrahlung, Instrumentenbeherrschung, da ist keine große Show nötig – und wer es schafft, „Toxicity“ auf solche Weise zu covern, Hut ab, Applaus, Applaus für diese großartige Band! Leider war nicht mehr genug Bares da, um eine CD zu erwerben, aber das wird garantiert nachgeholt. Grandiose Leistung, bei der man sich schon vorverausgaben musste!

Coppelius stiegen sofort in das Tempo ein, das Carpe Noctem vorgelegt hatte, es ging gleich rasant weiter, es wurde viel gejubelt und die Stimmung war gut, auch mit der bereits bekannten Setlist, bei dem sich einige Stücke noch tiefer ins Herz bohrten, als sie es schon am Vortag getan hatten. Auch die Blubberbrigade war diesmal wieder mit von der Partie – ein wunderschönes „Sternenstaub“, so klare Töne im Seifenblasenregen, das sind Anblicke, die man nie wieder vergisst. Vielen Dank. Man merkte auch, dass die Herren Spaß an der Sache hatten – vielleicht nicht so kraftvoll wie am Vortag, aber nicht weniger gut gelaunt auch gegenüber technischen Ausfällen. Im Gegensatz zu München war das Publikum nicht so extrem lautjubelnd, aber dafür sehr ausdauernd – zwei Zugaben, sehr schön auch der eigentliche Abschluss mit „Konzert“, hier vielen Dank an Herrn Quaas, der sich auch für einen Mini-Walzer zur Verfügung stellte, was kann es Schöneres geben?




Im Anschluss an das Konzert stellten sich die Herrschaften noch für Unterschriftensammler zur Verfügung, mit viel Geduld und sehr freundlich wurden Fotos gemacht, wahrhaft meisterhafte Gemälde übergeben und Atteste ausgestellt – ein gelungener Abschluss für ein herausragendes Konzertwochenend-Erlebnis der besonderen Art. Ich freue mich schon auf die nächsten Konzerte in Stuttgart und Annaberg-Buchholz, und ziehe hiermit das Fazit: Ein bisschen Habgier geht immer!

Und: Ein großes Sonderkompliment an Bastille, der trotz Handicap so springen kann und sich die Freude an den Auftritten nicht nehmen lässt - allerhöchstens Respekt, dass Sie das mitmachen!

Sheris vdK

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Vielen Dank an AyraLeona de Loryva von Ruffles and Steam für Konzertbilder München.


Fotos vom Konzert in Nürnberg in Bälde von Hard Times Nürnberg, Link zur Galerie folgt.

Hier auch eine Facebook-Fotostrecke aus Nürnberg von LifeLine Photography.



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